Leseprobe aus dem Kapitel 4.19. :

König FW IV. und Elisabeth als Stifter im Ägyptischen Hof – in Hieroglyphenschrift

 

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Im politisch heißen September 1848 gab es auch in Preußen eine deutliche Weichenstellung in Richtung eines selbstbewusster auftretenden Königs. Die Akten zur Unterstützung der Kunstbestrebungen, insbesondere Bestellungen und Ankauf von Gemälden, Zeichnungen für S.M. den König Friedrich Wilhelm IV. begannen 1848.[1] Die Rolle des Königspaares als Stifter im Neuen Museum wurde auf den Stein gemalt, um die Information lange für die Nachwelt zu erhalten. Allerdings war die Nachricht so geschrieben, dass einfache Bürger sie nicht verstehen konnten: Im Vorhof des Ägyptischen Museums, einer verkleinerten Vorhalle des berühmten Tempels von Karnak in Oberägypten[2] wurden auf den Kämpferplatten der Säulen ab September 1848 Hieroglyphen angebracht, die wie im alten Ägypten üblich, auf die Stifter hinwiesen. Auch im alten Rom wurden die Stifter genannt und die Bauten so zu den Denkmälern ihrer Auftraggeber, welche auf den Zweck hatten, die Massen zu beschwichtigen. In einem berühmten – und daher Friedrich Wilhelm sicher bekannten - Handbuch der Architektur aus der Renaissancezeit von Leone Battista Alberti (1401-1472) steht die Empfehlung, für Inschriften die heiligen ägyptischen Schriftzeichen zu verwenden. Was in der Renaissancezeit nur ein unerreichbares Wunschziel geblieben war, konnte der preußische König jetzt durch Lepsius Fähigkeit, in altägyptischen Hieroglyphen zu schreiben, realisieren lassen.

Tafel II in Lepsius Werk zeigte die Architrave und Deckplatten des Vorhofs mit der Dedikation des Königs Friedrich Wilhelm IV. zur Aufstellung der ägyptischen Denkmale im Jahr 1848, im neunten seiner Regierungszeit.[3] (Im gleichen Jahr ließ sich König Ludwig I. von Wilhelm Kaulbach als Mäzen darstellen.)[4] Lepsius erklärte die Inschrift vermutlich auf Wunsch der Königinwitwe Elisabeth in einer Veröffentlichung, allerdings erst im Jahr 1870, als König Friedrich Wilhelm IV. schon fast 10 Jahre tot war. (-> Kap. 4.8.5.): … Auf den Deckplatten der Säulen stehen abwechselnd die Namensringe des Königlichen Erbauers und der Königin Elisabeth.[5]

Jahrzehnte später, nachdem Tod auch die Königinwitwe Elisabeth gestorben war,wurde der Text für den Druck in einer Zeitung verkürzt und inhaltlich tendenziös umgewandelt wiedergegeben. Königin Elisabeth kam nicht mehr vor: „Der Kgl. Sonnenaar, der Rächer Preußens, der Sohn der Sonne, Friedrich Wilhelm IV., Philipator, Euergetes, Eucharistos, von Thot und Saleh geliebt, der siegreiche Herr des Rheins und der Weichsel, der erkoren ist von der Germania, im neunten seiner Regierungszeit hat aufrichten lassen in diesem Gebäude Kolosse, Statuen, Bilder, Bildwerke, Steine, Säulen und Särge, und vieles andere Gute, was herbeigeführt ist aus Ägypten und dem Mohrenlande.“[6]

Bezieht sich diese Stiftungsaussage auch auf die Bezahlung der 17 in der schwierigen stereochromen Technik hergestellten Wandbilder im Ägyptischen Hof? Die Wandbilder waren von der Bezahlung aus dem staatlichen Etat ausgenommen worden. In allen Verträgen der Kgl. Baukommission mit Eduard Pape findet man die Anweisung, die Wandbilder nach den von Stüler gebotenen Entwürfen auszuführen und sich den speziellen Anforderungen desselben zu fügen.[7] ...



[1] GStA PK, BPH Rep 50 G 2, Nr. 6, 1848-1864. Dass die Akte erst 1864 endete, weist auch auf die Königin Elisabeth hin, da sie in diesem Jahr schon mehr als drei Jahre Witwe war. Die Akte enthält auch den Ankauf von Kunstgegenständen in Rom 1859.

[2] Schasler, Max: Die Museen von Berlin, 1864, S. 114.

[3] Lepsius, Richard: Königliche Museen, S. 3.

[4] Bayerische Staatsgemäldesammlungen, WAF 406.

[5] R. Lepsius: Koenigl. Museen, Verzeichnis der Aegyptischen Altertümer. Die Wandgemälde der verschiedenen Räume, Berlin 1870, S. 3. (Hervorherbungen mittels Fettschrift durch die Autorin M..)

[6] Im 351-seitigen Katalog der SMB Neuen Museum. Architektur. Sammlung. Geschichte kommt keiner der diesbezüglichen Texte vor.

[7] GStA PK, I. HA, Rep.137 II H, Nr. 25.

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